Altersarmut bedroht besonders Frauen
03. September 2010
Hamburg (dpa/tmn) An eine sichere Rente glaubt kaum noch jemand. Doch wie schlimm es finanziell im Alter werden kann, machen sich viele nicht klar. Die Rente der Frauen ist nur halb so hoch wie die der Männer.
Altersarmut in Deutschland – besonders Frauen sind betroffen. Dass die gesetzliche Rente sicher ist, glaubt von den heutigen Beitragszahlern kaum noch jemand. Doch nur wenige realisieren, wie heftig es sie einmal treffen könnte: Experten rechnen in den nächsten Jahren mit einer deutlichen Zunahme der Altersarmut. Vor allem Frauen dürften darunter leiden.
Schon heute betrifft Altersarmut in Deutschland „überwiegend Frauen", hat die Gewerkschaft IG Metall in Frankfurt kürzlich in einer Studie zur Alterssicherung von Frauen festgestellt. So war ihre Rente im Jahr 2007 mit durchschnittlich 468 Euro im Monat nur halb so hoch wie die der Männer. Als Grund werden die geringen Einkommen und Versicherungsjahre genannt, da Frauen öfter aufgrund von Schwangerschaft und Kinderbetreuung pausieren oder Teilzeit arbeiten.
Das wirkt sich auf die Rentenhöhe aus. Laut IG Metall ist die Alterssicherung der Frauen „im hohen Maße" vom Einkommen ihrer Männer abhängig. Häufig erreichten Frauen erst durch die Kombination ihrer eigenen und einer Hinterbliebenenrente ein ausreichendes Einkommen.
Ein ähnliches Ergebnis ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, welche die Renten der Bevölkerung in Ostdeutschland untersucht hatte. Bei den jüngeren Jahrgängen dürften die Renten demnach dort unter das Niveau der Grundsicherung sinken. Als Ursachen nennt das DIW die hohe Langzeitarbeitslosigkeit und den Trend zu Minijobs. Vor allem Frauen rutschten aus Vollzeitstellen in geringfügige Beschäftigung.
Für Barbara Riedmüller, Professorin für Sozialpolitik an der Freien Universität Berlin, ist indes nicht die schlechte Lage am Arbeitsmarkt ausschlaggebend. „Hauptgrund für Altersarmut bei Frauen ist die Familie", betont die Rentenexpertin. Zehn Prozent der Frauen bekämen ihre Kinder in nichtehelichen Lebensgemeinschaften, hinzu kämen hohe Scheidungsraten.
Auch sei das Rentenniveau deutlich abgesenkt worden, sagt Achim Backendorf, Leiter der Abteilung Sozialpolitik beim Sozialverband VdK Deutschland. „Um eine Rente über Sozialhilfeniveau zu bekommen, muss man heute 28 Jahre gearbeitet und Beiträge in Höhe des Durchschnittsverdienstes gezahlt haben." Bei Alleinstehenden liegt die Sozialhilfe bei etwa 670 Euro.
„Die Risikovermeidung besteht darin, erwerbstätig zu bleiben", ist Prof. Riedmüllers Schlussfolgerung, wie insbesondere Frauen spätere Altersarmut verhindern. Es gebe keine andere Lösung. Das sollten Frauen bedenken, wenn sie über eine berufliche Auszeit zugunsten der Kinderbetreuung nachdenken.
Und auf einen weiteren Irrglauben macht Riedmüller aufmerksam: „Das Versorgungsmodell durch die Ehe hat keine Basis mehr." Selbst wenn eine Frau glücklich verheiratet ist, stellt das nicht ihre Alterssicherung dar. Denn mit einer Witwenrente, die nach derzeitiger Gesetzeslage etwa die Hälfte von der Rente, die der Mann bezogen hat, ausmacht, lande sie später oft nur unter Grundsicherungsniveau. Lassen Sie sich jetzt beraten!
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